kris siebert bastelt mit holz kabeln licht und code

Kris Siepert, bastelt mit Holz, Kabeln, Licht und Code

Hallo Kris, du bist Freelancer im Bereich We­bent­wick­lung und Film. Eine ungewöhnliche Kombi, oder? Was sagst du, wenn dich jemand fragt, was du beruflich machst? Wer bist du genau?

Hallo zurück! Wenn mich Jemand fragt, was ich so mache oder wer ich bin, dann antworte ich meistens: „Ich es liebe zu Basteln und zu Kreieren: mit Holz & Papier, Kabeln & Raspberry Pis; mit Kamera, Musik & Licht; und mit Code.“ Das hört sich im ersten Augenblick ein bisschen abgehoben an, fasst es aber ganz gut zusammen: ich bin einfach ein Bastler. Ich habe Medienproduktion studiert und von Audio- & Videoproduktion über Content-Entwicklung, Marketing und Veranstaltungstechnik bis zu Gestaltung & Entwicklung sämtliche medienrelevante Grundlagen einmal abgefrühstückt. Meine meisten Mitstudierenden sind in der Video- bzw. Filmbranche hängen geblieben. Ich bin einer der wenigen Ausnahmen, der sich auf Web- bzw Softwareentwicklung spezialisiert hat. Auch wenn die Entwicklung mein Fokus ist bin ich den Videoteil nie losgeworden. Erst war das ein Hobby, dann haben das Kunden nachgefragt. Solange es mir Spaß macht und die Nachfrage da ist werde ich auch weiterhin beide Dienstleistungen anbieten.

Gratulation zu der www.kris.cool Domain. Welche Domains hast du noch in deinem Account? Wie wichtig sind dir Domainnamen generell?

Dankeschön. Als die neuen Domain-Endungen kamen stieß ich eher durch Zufall auf die dot cool Domain: Eigentlich wollte ich kris.web und kris.video haben. Das blieb dann an mir hängen und etablierte sich ohne mein Zutun ein bisschen als Marke: „that’s the guy with the cool domain name, right?“ Die meisten Anwender geben eh alles in Google ein oder kommen über soziale Netzwerke. Daher sind Domain-Namen für mich nur noch als Marke interessant, wie z.B. bei kim dot com oder eben kris dot cool. 😉 Ich habe unter kris.tips noch meinen eigenen URL-Shortener und hätte sehr gerne kris.space – die ist mir aber noch zu teuer und ich möchte auch noch nicht verraten, was da genau hinsoll.

Du wurdest als Gesprächspartner gewünscht mit dem Satz „…weiß aber dass er ungewöhnlicherweise WordPress mit Laravel kombiniert, …“ Wie kam es dazu, dass du Laravel mit WordPress kombinierst und würdest du es noch mal machen?

WordPress ist für Blogs und Webseiten mit wenig bis mittleren Traffic gut geeignet – gerade wenn die Entwicklung schnell gehen soll oder das Budget klein ist. (Ich selbst benutze und entwickle für WordPress seit 2.*) Für alles darüber krankt WordPress an der antiken Codebase, Performance-Problemen und der Tatsache, dass es eben ein Blogsystem ist und die Bordmittel auf diesen Zweck fokusiert sind.

Versteht mich nicht falsch: Man kann mit Custom Post Types & Taxonomies, ACF und Erweiterungen wie BuddyPress so gut wie alles bauen. Dabei ist die Struktur der Datenbank aber eine reine Katastrophe. Wenn ich umziehe dann mache ich das nicht mit einem Smart, an den ich meine Koffer und Möbel von außen mit Gaffa rangeklebt habe, weil ichs halt kann.

Mein Ansatz ist eher: Ich hole einen Sprinter, der dafür ausgelegt ist. Bei vielen Projekten, die kein klassischer Blog sind, setze ich daher andere Technologien ein, mit denen ich meinen Kunden bessere Qualität oft zu einem günstigeren Preis und weniger Entwicklungszeit bieten kann.

Bei dem speziellen Projekt ging es um einen Relaunch: Traffic von knapp 2 Millionen Unique Visits im Monat und Features, die aus technischer Sicht ganz weit weg vom klassischen Blog sind. Die Seite basierte auf WordPress und musste mittelfristig einer Eigenentwicklung weichen. Daher entschied ich mich in Absprache mit dem Kunden erstmal für eine Interims-Lösung: WordPress Backend – Laravel Frontend. Rein technisch steckt da eine Bibliothek namens „Corcel“ dahinter, die Zugriff auf die WordPress Datenbank durch Laravels ORM System bietet.

Außerdem setze ich stark das Repository-Pattern ein, um beim Launch der Eigenentwicklung nur noch die Mappings im Dependency Injection Container ändern zu müssen. Laravel bietet hier ein großartig featurereiches und flexibles Grundgerüst. Ich bin nicht der einzige, der diesen Weg gegangen ist: z.B. www.laravel-news.com basiert auf einem WordPress Backend mit einem Laravel Frontend. Hier ist die technische Schnittstelle aber WordPress‘ REST API und nicht die Datenbank selbst.

Ich würde diesen Zwischenschritt nicht wieder gehen sondern in Zukunft auch gleich das Backend relaunchen. Relaunch bleibt Relaunch bleibt Relaunch und damit viel Arbeit: mit diesem Approach gibt es zwei statt einem.

Wie gehst du an ein neues Projekt heran? Hast du ein Blank Theme mit dem du immer startest?

Ich habe viele Starter- und Blank-Themes getestet und bei allen haben mich essenzielle Sachen gestört oder Features gefehlt. Schließlich habe ich eine Art Framework geschrieben, das einen Component-/Modul-Approach, einen DI-Container und moderne PHP Standards in WordPress integriert. Das Projekt war für einen Einzelkämpfer aber zu groß, blieb Closed Source und ist nur noch in einer handvoll Seiten aktiv. Durch Zufall habe ich dann Flynt gefunden: ein Component Framework für WordPress. So ziemlich das, was ich mir selbst gebastelt hatte, nur besser und durchdachter. Bisher habe ich nur lokale Test-Projekte damit gebaut, werde es aber bald in Production benutzen. Flynt hat auch ein Starter Theme. 🙂

Auf welche Plugins kannst du nicht verzichten?

Ich benutze ausschließlich Plugins, die kein JavaScript oder CSS im Frontend einbinden, daher ist die Liste klein: ACF (ofc), W3TC, Migrate DB Pro bzw. VersionPress je nach Host. Achja und WP-Cli, falls man das als Plugin zählen kann.

Welche Tools, welche Apps, welche Software erleichtern dir den Arbeitsalltag?

Die Zeit, die ich nicht in meiner IDE verbringen, bin ich auf GitLab: Projekt-Management, Repository-Management, Continuos Integration, Time-Tracking (https://github.com/kriskbx/gitlab-time-tracker), eine private Docker-Registry, Review Apps mit automatischer Kubernetes Anbindung… Das ist eigentlich alles, was den Entwickler glücklich macht. Die restliche Zeit verbringe ich im Terminal oder auf YouTube.

Welchen Tipp kannst du WordPress Anfängern mit auf den Weg geben?

Kauft euch keine Premium-Themes. Investiert die Zeit HTML, CSS, ES2015 und PHP sauber zu lernen und bauts lieber selber. Auch wenn das am Anfang nicht ganz so fancy ist: es ist nachhaltiger und liefert euch mittelfristig fast immer die bessere Qualität.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei dir aus? Ich habe gelesen, dass du eine Zeit lang als digitaler Nomade unterwegs warst. Wie war die Zeit?

Ich habe 6 Monate lang aus einem 40 Liter Rucksack gelebt und außer meiner Partnerin, Freunden und Familie nichts vermisst. Okay, deutsches Brot vielleicht. 😉 Selbst auf Balis Reisfelder hast du noch 4G: Das ist erstaunlich wie einfach und unkompliziert heutzutage Remote-Working möglich ist. Wichtig: Selbstorganisation und Strukturierung von Kommunikationsabläufen mit Kunden & Kollegen, ansonsten kann es schnell zu Missverständnissen kommen.

Ich habe danach angefangen mich privat und beruflich zu minimieren: Mein Tool-Stack ist auf das nötigste geschrumpft und selbst in der Entwicklung werfe ich oft Best Practises und Paradigmen über den Haufen und mache es lieber simple & stupid; natürlich nur, wenn das Projekt es zulässt. Einen normalen Arbeitsalltag per se gibt es bei mir nicht. (siehe nächste Frage)

Thema Work/Life Balance – wie stehst du dazu? Hast du Probleme damit? Was ist dir wichtig und worauf achtest du?

In der Vergangenheit – kurz nach meinem Start als Freelancer – habe ich mich zum Teil ziemlich kaputt gearbeitet. „Selbst und ständig…“ Das hat Spuren hinterlassen. Ein Kunde sagte mir mal, dass er glaube ich leide an einem Burnout und bot mir seine Hilfe an. Von einem Burnout war ich noch ein gutes Stück entfernt, aber die Tatsache, dass mich ein Kunde darauf ansprach, macht deutlich wie die Situation aussah.

Auch da hat meine Digital Nomad Zeit Spuren hinterlassen: Ich habe einen Schreibtisch in einer Bürogemeinschaft, arbeite aber auch von Zuhause. Mal stehe ich um 7 Uhr, mal um 9 oder 11 Uhr auf. Mal arbeite ich bis 18 Uhr, mal bis 24 oder 3 Uhr früh. Mal fahre ich mit der Bahn oder dem Car2go ins Büro, mal mit dem Longboard, mal zu Fuss. Ich versuche außer einem gewissen Arbeitspensum pro Woche nichts vorauszuplanen. So vermeide ich Stress und immer gleiche und frustrierende Abläufe.

Privat und beruflich gebe ich der Gemeinschaft jetzt mehr zurück: so plane ich mindestens einen Tag pro Woche für meine Open Source Projekte ein. Ich engagiere mich ehrenamtlich und arbeite umsonst für Menschen und Projekte, die mir am Herzen liegen. Ich versuche immer wieder neue Sachen zu lernen und mich weiterzuentwickeln.

Auch meiner Gesundheit widme ich mehr Zeit und Aufmerksamkeit – zwei Dinge, die wesentlich wertvoller sind als Geld, weil man sie nicht zurückbekommen kann. Damit sieht es finanziell am Ende des Monats manchmal nicht so rosig aus wie zu Beginn meiner „Freelancer-Karriere“, aber ich bin insgesamt viel glücklicher und ausgeglichener.

Wen sollten wir nach einem Interview fragen?

Ihr könntet den lieben Hans von überdosis fragen: er ist genauso ein Bastler wie ich und geht unkonventionelle Wege, mal mit und mal ohne WordPress. Oder Steffen und Dominik von bleech_: Sie haben mit Flynt einen modernen Component-Approach in die WordPress Welt gebracht. Ich durfte die beiden kennen lernen und glaube, dass sie ebenfalls spannende Interviewpartner für euch sind.

Kris Siepert findest du im Web unter kris.cool auf GitHub und Vimeo.

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